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Am 1. August feiern wir die Schweiz – und damit etwas besonders Wertvolles: eine Heimat zu haben. Doch Heimat ist mehr als ein Ort auf der Landkarte. Sie entsteht dort, wo Menschen leben, dazugehören und eine Zukunft aufbauen können. Gerade in einem so erfolgreichen Kanton wie Zug stellt sich deshalb die Frage: Wie sorgen wir dafür, dass Zug für alle Heimat bleibt?

Zug steht wirtschaftlich hervorragend da. Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, die öffentlichen Finanzen sind gesund und unsere Gemeinden bieten eine hohe Lebensqualität. Darauf dürfen wir stolz sein. Doch Erfolg allein schafft noch keine Heimat.

Heimat entsteht dort, wo Menschen nicht nur arbeiten, sondern auch leben können. Wo Familien eine bezahlbare Wohnung finden. Wo ältere Menschen in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können. Wo sich Zugezogene nicht nur anmelden, sondern auch am gesellschaftlichen Leben beteiligen. Und wo Vereine, Nachbarschaftshilfen und Freiwillige Menschen miteinander verbinden.

Stilisierte Gemeinschaft vor der Zuger Landschaft mit Schweizer Fahne

Genau hier steht Zug vor einer grossen Herausforderung. Der Kanton wächst, Wohnraum wird knapper und das Leben teurer. Viele Menschen, die hier aufgewachsen sind, hier arbeiten oder sich engagieren, fragen sich, ob sie sich eine Zukunft in Zug überhaupt noch leisten können. Wenn normale Einkommen nicht mehr für eine Wohnung reichen, wenn Familien wegziehen müssen und sich Menschen trotz wirtschaftlichem Erfolg nicht zugehörig fühlen, verlieren wir mehr als nur Einwohnerinnen und Einwohner. Wir verlieren ein Stück Gemeinschaft.

Freiheit bedeutet deshalb nicht nur, möglichst wenig Steuern zu bezahlen oder möglichst wenige Vorschriften zu haben. Freiheit braucht auch echte Chancen. Die Chance, in der eigenen Region wohnen zu können. Die Chance, Familie und Beruf zu verbinden. Die Chance, im Alter selbstbestimmt zu leben. Und die Chance, Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Wirtschaftlicher Erfolg bringt Verantwortung. Unternehmen profitieren von attraktiven Rahmenbedingungen, gut ausgebildeten Fachkräften und funktionierender Infrastruktur. Deshalb sollten auch sie stärker dazu beitragen, dass Zug lebenswert bleibt – etwa durch Engagement bei Wohnprojekten, Ausbildung, Integration und gesellschaftlichen Initiativen.

Auch der Staat muss seine Verantwortung wahrnehmen. Überschüsse dürfen nicht nur verwaltet oder verteilt werden. Sie sollen dort eingesetzt werden, wo sie die Lebensqualität langfristig sichern: bei Wohnraum, Infrastruktur, Gesundheitskosten, Bildung und Betreuung.

Heimat kann man nicht verordnen. Sie entsteht, wenn Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Das erlebe ich in der Nachbarschaftshilfe, in Vereinen und im persönlichen Engagement immer wieder.

Am 1. August sollten wir deshalb nicht nur feiern, was unser Land erreicht hat. Wir sollten uns auch fragen, was wir bewahren wollen.

Die Stärke Zugs zeigt sich nicht allein in seiner Bilanz. Sie zeigt sich daran, ob Menschen hier eine Zukunft sehen und sagen können: Hier gehöre ich dazu. Hier bin ich zu Hause.